Wenn Frauen pflegen und Männer führen
Karriere im Pflegeberuf: VdK-Stipendiatin forscht zu Frauen in Leitungspositionen.

Kennt die Praxis
Die Pflege gilt als klassischer Frauenberuf, und doch erreichen vergleichsweise zu wenig Frauen die höheren Führungsebenen. Wie erleben Frauen, die diesen beruflichen Aufstieg geschafft haben, die Rolle des Geschlechts auf Karriere und Führungsalltag? Mit genau dieser Frage beschäftigt sich Selina Frühwald, Empfängerin des Deutschlandstipendiums, das jährlich vom Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz finanziert wird.
Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Diese Frage ist für sie keine rein theoretische. Frühwald kennt den Pflegealltag aus eigener Erfahrung; parallel zu ihrem Studium an der Katholischen Hochschule Mainz hat sie in verschiedenen pflegerischen Bereichen gearbeitet. Sie hat erlebt, wie Verantwortung verteilt wird, wie Teams funktionieren und wo Strukturen an Grenzen stoßen. Genau dort setzt auch ihre Forschung an.
Das Deutschlandstipendium
„Mich interessiert vor allem, warum sich diese Unterschiede so hartnäckig halten“, sagt Frühwald. „Die Pflege ist ein überwiegend weiblicher Beruf, und trotzdem spiegelt sich das in den Führungspositionen nicht ausreichend wider. Deswegen ist die Perspektive von erfolgreichen Frauen so wichtig. Ihre Erfahrungen zeigen, wo Frauen ausgebremst werden, und wie man dieses Problem lösen könnte, zum Beispiel durch gezielte Förderung.“ Dass sie sich diesen Fragen nun wissenschaftlich widmen kann, ist auch der Förderung durch den VdK Rheinland-Pfalz zu verdanken: Im Rahmen des Deutschlandstipendiums unterstützt der Verband jedes Jahr Studierende mit monatlich 150 Euro, die sich mit wichtigen gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigen.
Erste Recherche
Bei einem Besuch in der Landesverbandsgeschäftsstelle in Mainz sprach Frühwald über ihr Forschungsgebiet und machte deutlich, wie vielschichtig das Thema ist. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Fragen, die viele Frauen im Berufsleben betreffen: Welche Faktoren helfen dabei, in Führungspositionen aufzusteigen? Welche Hürden stehen im Weg? Und wie wird es wahrgenommen, wenn Frauen Führungsverantwortung übernehmen?
Erste Recherche zeigt: Gerade an Universitätskliniken sind Frauen in leitenden Positionen weiterhin unterrepräsentiert.
Gleichzeitig berührt ihre Forschung eine Debatte, die aktuell politisch an Schärfe gewinnt: die Frage nach Teilzeit und Führung. Während flexible Arbeitsmodelle oft als Schlüssel zu mehr Vereinbarkeit gelten, bleiben Führungspositionen in vielen Bereichen weiterhin an klassische Vollzeitstrukturen gebunden.
Wer Familie, Sorgearbeit und Karriere verbinden will, stößt hier schnell an Grenzen – mit der Folge, dass Aufstiegschancen ungleich verteilt bleiben. Frühwald macht damit ein strukturelles Problem sichtbar, das weit über die Pflege hinausgeht.
VdK ist Thema wichtig
Willi Jäger, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz, zeigte sich sehr interessiert an dem Forschungsansatz: „Die Arbeit von Frau Frühwald greift ein zentrales Thema unserer Zeit auf. Gerade in sozialen und pflegerischen Berufen brauchen wir mehr Chancengleichheit, auch in Führungspositionen. Es ist wichtig, dass diese Fragen wissenschaftlich untersucht und gesellschaftlich diskutiert werden.“
Der Austausch macht deutlich: Es sind genau diese Fragen, die nicht nur die Pflege betreffen, sondern die Arbeitswelt insgesamt. Und es sind junge Menschen wie Selina Frühwald, die dazu beitragen, neue Perspektiven zu entwickeln und Veränderungen anzustoßen.