Kategorie Aktuelle Meldung Frauen

Unbequem im besten Sinne

Von: Michael Finkenzeller

Rolle, Einfluss, Engagement: VdK-Landesfrauenkonferenz in Bad Kreuznach stellt Frauen ins Rampenlicht.

Eine Gruppenbild mit Frauen und einem Mann.
Die Landesfrauenkonferenz mit Ehrengästen, von rechts: stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Anita Winkler mit Willi Jäger. © VdK|Justine Blancher

VdK-Frauen sind aktiv

Engagement braucht Durchsetzungskraft – genau hier setzte die Landesfrauenkonferenz des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz an. Rund 25 Frauenvertreterinnen aus den Kreisverbänden kamen zusammen, um gemeinsam an ihren Zielen zu arbeiten.

„Frauen sind im VdK vielfach unterrepräsentiert“, sagte VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger in seinem Grußwort. „Nach wie vor gibt es mehr männliche Vorstandsvorsitzende als weibliche. Die Landesfrauenkonferenz holt die Frauen ins Rampenlicht – dorthin, wo sie hingehören.“ Es sei wichtig, dass die Frauenvertreterinnen „im besten Sinne unbequem“ seien und Themen setzten, die sonst ein Schattendasein führten.

VdK-Landesfrauenvertreterin Heidi Schneider dankte Herrn Jäger und ergänzte, dass die zwei Konferenztage nicht nur eine Schulungsveranstaltung seien, sondern ein Ort für Austausch und Diskussion. „Bei der Landesfrauenkonferenz geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Aktivität. Deswegen planen wir immer einen großen Werkstatt-Teil.“

Einfluss im Vorstand

Im Zentrum des ersten Vortrags „Wirksame Verbandsarbeit“ stand die Frage, wie Frauenvertreterinnen stärker Einfluss nehmen können. Die Antwort fiel deutlich aus: Wer etwas verändern will, muss strategisch vorgehen. „Wirksame Verbandsarbeit heißt nicht, nur an einer Vorstandssitzung teilzunehmen“, sagte Michael Finkenzeller aus der Abteilung Kommunikation. „Wenn Sie eine Idee haben, müssen Sie im Vorhinein erste Gespräche führen und Ihre Mehrheiten organisieren, damit daraus ein Beschluss werden kann. Wer erst in der Sitzung anfängt zu überzeugen, ist meist zu spät dran.“ Wichtig seien Klarheit, Präsenz und Mut zur eigenen Position.

Netzwerke aufbauen

Am Nachmittag folgte der Praxisteil. VdK-Referentin Merle Köppelmann aus der Abteilung Sozialpolitik und Sozialrecht moderierte zwei Workshops: „Netzwerke bilden“ und „Info-Vorträge organisieren“. Wichtigste Erkenntnis: Eine gute Planung ist das A und O.

„Sie müssen sich zuerst über das Ziel Ihres Info-Vortrags Gedanken machen: Was möchten Sie mit dem Thema erreichen? Welche Referentin könnten Sie anfragen? Was ist ein geeignetes Datum, eine geeignete Zeit, ein geeigneter Ort?“, sagte Köppelmann. „Überlegen Sie, wie und wo Sie für Ihre Veranstaltung werben, zum Beispiel im Internet, im Wochenspiegel oder am Info-Stand. Und das Wichtigste: Tun Sie sich mit anderen Frauen zusammen. Gemeinsam sind Sie stark!“

Parallel dazu hielt Michael Finkenzeller einen Vortrag zum öffentlichen Auftritt: „Wenn Sie Ihr Publikum überzeugen möchten, starten Sie mit einer Botschaft, einer Behauptung, einer Forderung, die Sie dann beweisen.“ Wichtig dabei sei, nicht jedem Gedanken ungeprüft zu folgen. „Beschränken Sie sich auf Argumente, die Ihre Forderung untermauern oder Gegenargumente entkräften. Ansonsten zerfasert Ihr Vortrag, und die Zuhörer schalten ab.“

Frauen diskutieren und arbeiten an einem großen Tisch.
Praxisorientiert: der Workshop „Info-Veranstaltungen organisieren“. © VdK|Justine Blancher

Gerechte Medizin

Am zweiten Tag rückte ein Thema in den Fokus, das über den Verband hinausweist: die sogenannte Gender-Medizin. Referentin Sandra Helm von der Zentrale für Gesundheitsförderung machte deutlich, dass Frauen im Gesundheitssystem oft benachteiligt sind.

„Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, es geht um Wohlbefinden“, erklärte sie. Doch genau dieses Wohlbefinden sei für viele Frauen schwerer zu erreichen – nicht zuletzt, weil medizinische Forschung lange nur an männlichen Patienten ausgerichtet wurde.
Die Folgen sind konkret: Krankheiten werden bei Frauen später erkannt, Symptome anders bewertet, Schmerzen weniger ernst genommen und Medikamente falsch verschrieben. „Frauen werden anders behandelt als Männer“, sagte Helm doppeldeutig.

Die Landesfrauenkonferenz zeigte wieder eindrücklich, dass die VdK-Frauenvertreterinnen ihre Rolle im Verband neu definieren. „In den Anfangszeiten waren Frauenvertreterinnen ausschließlich für Krankenbesuche, Kuchenbacken und Häkelgruppen zuständig“, so Heidi Schneider. „Heute geht es darum, Frauenthemen nach vorne zu bringen, Ungerechtigkeiten zu beseitigen, selbstbewusst in den Vorständen mitzuarbeiten. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Aber wir sind auf einem guten Weg.“